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Fragen und Antworten vor der Operation

Soll ich mir im Rahmen der Kehlkopfentfernung eine Stimmprothese einsetzen lassen?

Wenn technisch und medizinisch die Möglichkeit besteht direkt im Rahmen der Kehlkopfentfernung eine Stimmprothese einzusetzen, dann hat dieses viele Vorteile. Zum Einen ist nach der Operation meist innerhalb von Tagen und ohne langwieriges Training das Sprechen möglich, was durch die Tatsache begünstigt wird, dass der Sprech-Atemrhythmus noch unverändert ist. Auch können im Rahmen der Kehlkopfoperation dann wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, dass das Sprechen mit der Stimmprothese gut funktioniert. Der nachträgliche Einsatz einer Stimmprothese erfordert meist einen erneuten Narkoseeingriff.

Wann kann ich mit der Stimmprothese das erste Mal nach der Operation sprechen?

Vor Beginn des Sprechtrainings sollte die gröbste Wundheilung abgeschlossen sein. Dieses ist meist nach 7-10 Tagen der Fall. Nach einer vorherigen Strahlentherapie kann die Wundheilung deutlich verzögert sein.

Wie entsteht die Stimme mit der Stimmprothese und wie klingt sie?

Die Stimmprothese selbst kann keinen Ton erzeugen. Sie dient nur als Rückschlagventil zwischen Luft- und Speiseröhre und verschließt die zwischen Luft- und Speiseröhre geschaffene Verbindung beim Schlucken. Beim Verschluss des Tracheostomas mit dem Finger strömt die Luft durch das Ventil in die Speiseröhre und dann in den Schlund. Der Ton zum Sprechen entsteht durch Vibration von Schleimhautfalten im Schlund die durch die einströmende Luft in Schwingung versetzt werden, ähnlich dem Rülpsen. Die Frequenz dieser Vibrationen ist eher niedrig und abhängig von der Spannung in diesen Schleimhautfalten. Die Vibrationen werden dann, wie vor der Kehlkopfentfernung die Vibrationen aus dem Kehlkopf, im Mund zu Wörtern geformt. Die Tonlage der Stimmprothesenstimme ist eher tief und rau was für Frauen unangenehm sein kann. Bei einigen Patienten ist die Stimmprothesenstimme deutlich besser als die Stimme welche mit dem tumorbefallenen Kehlkopf zustande kommt.

Stimmprothesenstimme (Video)

Gibt es Alternativen zur Stimmprothese?

In Deutschland gibt es im Wesentlichen drei Alternativen zur Stimmprothese: die Laryngoplastik die Ruktussprache und den Elektrolarynx.

Die Laryngoplastik ist eine sehr aufwändiger chirurgischer Eingriff bei dem in gleicher Sitzung mit der Kehlkopfentfernung ein Kanal aus einem Haut-Muskellappen vom Unterarm gebildet wird der eine permanente Verbindung von Luft und Speiseröhre herstellt. Vorteil der Laryngoplastik ist die lebenslange Unabhängigkeit von Stimmprothesen. Nachteile sind die extrem aufwändige Operation und der oft schlechte Geruch beim Sprechen der durch den bakteriellen Abbau von Hautablagerungen in dem künstlich geschaffenen Kanal entsteht. Nur wenige Klinken in Deutschland bieten Laryngoplastiken an. Die Stimme mit einer Laryngoplastik ist exakt gleich wie die Stimmprothesenstimme.

Die Ruktusstimme funktioniert ohne jegliche technische Hilfsmittel, ohne ösophagotracheale Fistel und ohne dass das Tracheostoma verschlossen werden muss. Der Patient ist also weitgehend unabhängig vom Arzt. Es wird Luft verschluckt und kontrolliert wieder abgegeben. Dabei entstehen Schwingungen der Schlundschleimhaut die im Mund zu Worten geformt werden. Das Erlernen der Ruktusstimme ist oft schwieriger als das Sprechen mit einer Stimmprothese. Meist sind viele Übungssitzungen mit einer Logopädin notwendig bis Erfolge zu verzeichnen sind. Einige Patienten können mit der Ruktusstimme nur kurze Sätze, von wenigen Worten Länge, in auffälligem Sprechrhythmus erzeugen. Ein Teil der Patienten kann die Ruktusstimme nicht erlernen, weil die Druckverhältnisse in der Speiseröhre dies nicht zulassen. 

Der Elektrolarynx kommt ebenfalls ohne chirurgische Eingriffe, ohne eine ösophagotracheale Fistel und ohne die Notwendigkeit das Tracheostoma zum Sprechen zu Verschließen aus. Ein Elektrolarynx ist ein elektrisch betriebener Tongeber der einem elektrischen Rassierapparat sehr ähnlich sieht. Sein vibrierender Kopf wird auf die Halshaut, meist im Bereich des Mundbodens unterhalb des Unterkiefers angesetzt. Dann wird per Knopfdruck die Vibration des Gerätes ausgelöst. Die Schwingungen übertragen sich in den Mundraum und können dort wie vor der Operation zu Lauten und Worten geformt werden. Der Elektrolarynx ist ein Hilfsmittel wenn andere körpereigene Ersatzstimmen noch nicht angebahnt werden können. Der Klang der Elektrolarynx-Stimme wird oft als unangenehm empfunden und die Verständigung damit gelingt unter Umständen erst dann, wenn sich die Zuhörer etwas eingehört haben. 

Elektrolarynx (Video)

Wer kommt für die Kosten für die Stimmprothese auf?

Stimmprothesen sind Hilfsmittel die von der Krankenkasse bezahlt werden. Individuelle Zuzahlungsregelungen sind bei der Krankenkasse zu erfragen.
Muss ich mich selbst um die Stimmprothese kümmern?
Ja ein wenig. Eine Stimmprothese sollte einmal täglich im Spiegel kontrolliert und ggf. gesäubert werden. Den Wechsel der Prothese nimmt in Deutschland in der Regel der Arzt vor.

Welche Stimmprothese ist die Beste?

Die beste Stimmprothese gibt es nicht. Alle Bauformen und Typen von Stimmprothesen, insgesamt gibt es über 20 verschiedene, haben ihre Vor- und Nachteile. Die genaue Kenntnis der Stimmprothesenmodelle ermöglicht es Ihrem Arzt ein für Sie gut geeignetes Modell auszuwählen.

Kann man den Stimmprotheseneinsatz rückgängig machen?

Ja. Wenn man die Stimmprothese entfernt verschließt sich die ösophagotracheale Fistel in vielen Fällen von selbst. Gelegentlich ist ein kleiner chirurgischer Eingriff zum Verschluss der Fistel notwendig.